Am 25. und 26. September war es wieder soweit, zahlreiche Mitglieder und Freunde des seit mehr als zehn Jahren bestehenden NETZWERKs Stadtforen Mitteldeutschland trafen sich im Sächsischen Industriemuseum in Chemnitz zum „15. Vernetzungstreffen“. Auch in diesem Jahr umfasste das Programm am Samstag wieder Vorträge zu verschiedensten Themen der Stadtentwicklung, abgerundet durch einen Abendempfang im Umweltzentrum sowie am Sonntag einen Stadtrundgang. Der prominenteste Gast war Wolfram Günther, Begründer der Vernetzungstreffen und seit 2019 Sächsischer Staatsminister für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft. Neben den langjährigen Mitgliedern des Netzwerks waren der Einladung des organisierenden Stadtforums Chemnitz erfreulicherweise auch einige neue Akteure der bürgernahen Stadtentwicklung gefolgt, so zum Beispiel Stefan Hoja vom erst vor wenigen Wochen gegründeten Stadtforum Gotha (lesen Sie dazu weiter unten mehr) und Matthias Hahndorf vom Netzwerk Ostmodern aus Dresden, der auf die Bemühungen zum Erhalt der ehemaligen Robotron-Kantine zurückblickte.

Zu den langjährigen Mitgliedern des Netzwerks zählt der Arbeitskreis Innenstadt e. V. aus Halle (Saale), für den Marcel Naumann am Vernetzungstreffen teilnahm. Er informierte über die Wiederbelebung der ehemaligen Schwemme-Brauerei in der halleschen Altstadt. Der eigens für diesen Zweck von verschiedenen Akteuren (unter anderem dem Arbeitskreis Innenstadt e. V.) gegründete Schwemme e. V., wurde kürzlich mit dem „Denkmalpreis des Landes Sachsen-Anhalt“ ausgezeichnet.

Aus Leipzig berichtete Toralf Zinner, Vorstand der Leipziger Denkmalstiftung und ihrem Förderverein sowie Geschäftsführer der gemeinnützigen Firma „Denkmalsozial“, über die Entwicklung des Robert-Koch-Parks zu einem Kultur-, Freizeit- und Bildungszentrum für die Einwohner des Leipziger Ortsteils Grünau.

Johannes Schaefer vom Stadtforum Altenburg gewährte Einblicke in die Arbeit des örtlichen Stadtrats und dessen Wahl im Jahr 2019, bei der das Stadtforum fünf Mandate erringen konnte. Anfang 2020 konnte das Stadtforum in einem zuvor leerstehenden Ladenlokal der Altenburger Innenstadt ein eigenes Kontaktbüro eröffnen. Die Räume dienen künftig dem Stadtforum als Veranstaltungs- und Begegnungsstätte.

Für die beiden Stadtforen Görlitz und Zittau berichtete Matthias Böhm über aktuelle städtebauliche Entwicklungen. Hervorzuheben ist hier insbesondere der geplante Abriss der beiden klassizistischen Villen am Postplatz 5 und 6 in Görlitz. Diese sollen für die Erweiterung eines Parkhauses weichen (lesen Sie dazu weiter unten mehr).

Susanne Reichle vom Forum für Baukultur e. V. in Dresden, das eine sehr erfolgreiche baukulturelle Kinder- und Jugendarbeit betreibt, verdeutlichte anhand des Vergleichs der Sempergalerie in Dresden mit dem Konstantinsbogen in Rom die europäische Dimension der Architekturgeschichte.

Aus Zwickau reiste Sebastian Dämmler an, Mitbegründer des Netzwerks Industrie.Kultur.Ost, welches bisher etwa 1400 Gebäude der mitteldeutschen Industriegeschichte dokumentiert und eine umfangreiche Online-Datenbank aufgebaut hat. Anhand von erfreulichen Beispielen, wie der Baumwollspinnerei und der Buntpapierfabrik in Flöha, verdeutlichte Sebastian Dämmler die vielfältigen Möglichkeiten der Umnutzung auch großer historischer Industriebauten.

Zu den langjährigen Teilnehmern des Vernetzungstreffens zählt Heiderose Wanzelius vom Braunschweiger Forum, das im vergangenen Jahr auf sein bereits 40-jähriges Bestehen zurückblicken konnte. Das Forum zeichnet sich durch ein sehr vielfältiges Engagement im Bereich der bürgernahen Stadtentwicklung aus. Ob es um die Durchführung thematischer Radtouren oder der Teilnahme an Ideenwerkstätten, der Mitarbeit bei der Erstellung eines Konzepts zum Veloroutennetz oder dem Gedenken an die Deportation der Braunschweiger Sinti und Roma geht, das Braunschweiger Forum bringt sich aktiv ein und vertritt die Belange aller Bürger.

Als Schlussredner konnten die Organisatoren Roman Grabolle vom Dienstleistungskombinat MIR (Menschen, Ideen, Räume) gewinnen, der über das Thema „Kooperative Wohnformen in Chemnitz“ sprach. Zu diesen Wohnformen zählen vor allem Genossenschaften (Einhaus- und Dach-) sowie Wohneigentümergemeinschaften (sog. Baugruppen). Anhand einiger Fallbeispiele verdeutlichte Roman Grabolle die Vorteile dieses Modells für die nachhaltige Belebung von leerstehenden Immobilien und die dauerhafte Sicherung von bezahlbarem Wohnraum.

Am Sonntag, dem zweiten Tag des Vernetzungstreffens, führten Mitglieder des Stadtforums Chemnitz ausgehend vom Roten Turm am Stadthallenpark durch die Innenstadt. Die Route führte entlang der Brückenstraße, der Straße der Nationen und dem Theaterplatz zur ehemaligen Aktienspinnerei, die heute die Universitätsbibliothek der TU Chemnitz beherbergt. Über die frühere Einkaufsstraße Brühl ging es weiter zum Stadtbad und zur ehemaligen Färberei Haase. Nach dem gemeinsamen Mittagessen am Schlossberg konnten im Anschluss noch die Schlosskirche, das Schlossmuseum und die bedeutende Figurengruppe „Vier Tageszeiten“ besichtigt werden.

Das Organisationsteam bedankt sich bei allen Teilnehmern des diesjährigen Vernetzungstreffens für den fruchtbaren Austausch sowie dem Sächsischen Industriemuseum für die Bereitstellung des Seminarraums.